Der RWE-Fanbericht von
Schwalbenalfred & Kurvenklaus
Vorwort: „Tja, ziemlich
Scheiße, wenn man als Premiere einen Spieltag wählt, der Scheiße war. Echt
Scheiße. Trotzdem: Viel Glück.“
(Manfred T., Wirt aus
Leidenschaft)
Ein Spiel ist 90 Minuten
lang. Blödsinn. Für einen Fan beginnt das Spiel viel früher und hört auch viel
später auf. Deshalb gibt es ab sofort die völlig andere, alternative
Fanreportage vom Duo Kurvenklaus (Haupttribüne) & Schwalbenalfred (Ost).
Von der Vorfreude bis zum Reparier-Bier am nächsten Tag wird aus ganz eigener
Sicht kommentiert. Eindrücke querbeet werden mal in Ruhrpott-Manier, mal ganz
sachlich verarbeitet. Vom besten Torschuss bis zur Modesünde im Stadion.
Von Fans, für Alle. Zum
Lesen, zum Sammeln, zum selber ergänzen…
Begleitend kommentieren
Anstoß-Pünktchen (blond, Nord) und Abfiff-Anton (läuft immer herum,
Bratwurst-Verrückter).
12.08 Uhr. Bei einem
gemeinsamen 2. Frühstück auf der Kirmes an der Gruga starte ich bestens gelaunt
gemeinsam mit Kurvenklaus in den Tag. Es gibt Bratfisch und Bier. Auch die
Kirmes in Rüttenscheid ist abgestiegen. Kein Riesenrad, kein
Breakdancer und drum herum Baustelle.
Lotte steht auf Platz 1, RWE
auf 12. Noch 130 Tage bis Jahresende. Frauen, die „Rosa“ heißen, haben
heute Namenstag und Vicky Leandros Geburtstag. Wir denken an den guten BS-Theo.
Auf der Messe-Essen-Brücke sehen
wir erste Fans mit Schal. Ein schönes Bild am sonnigen Sonntag bei 26 Grad. Fröhliches
Zuwinken von Schalträger zu Schalträger.
Passanten starren uns an. Kopfschüttelnd sagt einer „Allein wegen dem
Stadion wähle ich nächste Woche so was wie die Tierschutzpartei.“ Wir
ignorieren den Mann, der im Pulk Richtung Grugabad zieht und reimen ein
bekanntes Stück des RWE-Liedgutes um:
„Durch Regen und Wind, knallt der Lorenz
auch heiß, immer wieder Rot-Weiss…“
In der Straßenbahn sitzt uns
eine blondmetallic gefärbte Schönheit gegenüber und lästert über eine
Großfamilie, die mit Sack, Pack und 2 Kinderwagen versucht, Platz zu nehmen.
"Asozial. Soviele Kinder müssen heute wirklich nicht mehr sein", kräht das schöne blöde Huhn. Wir beginnen lauthals ein
Gespräch über den frisch verheirateten Thomas Strunz. Drei Frauen, 5 Kinder und
bei dem Anblick der Neuen scheint ein Kind Nr. 6 nicht ganz ausgeschlossen.
Am HBF steigt
Anstoß-Pünktchen ein. Sie ist traurig über die Heirat von Strunz. Sie meint,
dass er seit seinem neuesten RWE-Werbeauftritt als Bauhelmträger in der
Kampagne „Wir bauen…“ noch mehr Sex ausstrahlt. Weiber. Nun ja, mit siebzehn
hat man noch Träume und vielleicht weckt er in ihr kindliche Erinnerungen an
„Bob, der Baumeister“. Pünktchen hat das traditionelle Fahrbier vergessen.
Am
Stadion empfängt uns eine „Nach-S05-Mund abwischen-weitermachen-Stimmung“. Nach dem Spiel treffe ich
Kurvenklaus und Abfiff-Anton am Bierstand. Anton sagt Bratwurst kauend und
extrem wütend „Ich sehe doch, was ich sehe und das ist keine Körpersprache.“
Klaus guckt wie Hulk und
erzählt mir sein Fazit: „Eines der schlechtesten Spiele der jüngsten
Vergangenheit – und da waren schon echte Katastrophen dabei. Wenn nicht schnell
ein Teamleader gefunden wird und man nicht schleunigst bereit ist, alles zu
investieren, kann der Aufstieg schon nach dem 5. Spieltag abgehakt werden.
Stattdessen wird man sich dann schnell dem Abstiegskampf widmen müssen.
Viel, viel zu wenig
Bewegung, vor allem ohne Ball. Kein Beißen, kein Kratzen. Wenn es technisch
nicht geht, muss man es mit Kraft und Kampf machen, aber bei dieser
"Mannschaft" wird der Platz nicht umgepflügt. Es ist kein Spieler
vorhanden, der die Mannschaft mitreißt oder auch mal zusammenscheißt. Nein, es
ist offenbar wieder eine „Mädchenmannschaft“.
Pünktchen haut Klaus mit der
„Kurzen Fuffzehn“ auf den Kopf und ruft „Macho.“
Klaus resümiert weiter: „Kaum
Druck aus dem Mittelfeld. Insgesamt lief das Spiel viel zu viel durch die Mitte
- viel zu wenig kam über die Außenbahn, kein Lauf bis zur Grundlinie und dann
Flanken in den Rücken der Abwehr.“
Einen Verlust sieht Klaus im
Fehlen von Robert Mainka, der wegen Adduktorenverletzung (übersetzt in
Stadiondeutsch: Dat Dingen da mitte Doktorenverletzung). Mölders ist für ihn momentan
von der Rolle und Heinzmann hätte nach der tollen Flanke von Schnier den
Kopfball verwandeln müssen. Außerdem hätte der Nachschuss von Wunderlich
(ungehindert und frei) sitzen müssen und nicht 3 Meter neben das Tor gedonnert
werden dürfen. Als Klaus beginnt, über die Auswechslung vom besten Torschützen
Stachnik zu reden, machen wir uns auf den Weg Richtung „Frustverarbeitungsstation im Fangenesungswerk.“
18.00 Uhr. Wir sitzen bei
Maria in Kettwig am Tresen und sammeln die Top-5 der aufgeschnappten Sprüche des
Spieltages:
"Wie schon auf Scheiße,
nachm Gegentor ist sowíeso immer der Faden ab".
"Das Spiel war ein
Elementarschaden"
"Immer der gleiche
Bührer" (zur Nicht-Leistung von Bührer)
"Himmelwurst" (zu Himmelmann)
„Kumma, dat Loch inne Nord.
Kannze gez auffe Emscher gucken.“
Den "Goldenen Rahn der Woche" vergeben wir an den Spruch zum Thema "blaue Schuhmode bei Mölders und Neumayr":
"Hömma, Ihr Nachgemachten, wat soll dat denn? Machter hier einen auf Gelsenkirchen-Elvis mit Eure Blue Suede Shoes? Los gez, Hüftschwung und schnell inne Kabine umzieh`n, sonst gibbet Rock`n`Roll auffe Zwölf! "
Maria macht den alten
Telefunken-Fernseher an, die Tabelle im Videotext zeigt uns ein jämmerliches
3:3.3:3 und Pünktchen (sieht schon 8x die 3) bestellt drei Bier. Draußen knallt
die Sonne. Unsere Stimmung ist stumm eisig und auf dem Nullpunkt. Wir blättern
in den „Kurvennews“ der Ultras Essen und dem Fan-Infomagazin „Der Boss“. Jawoll, wenigstens
die Fans sind 1. Liga!
Was mag wohl jetzt im RWE-Forum
im Internet los sein? Bloß nicht dran denken. Neben uns an der Theke geht es
schon los: „Strunz raus…, Stadionneubau…, lächerlich…“.
Wir fahren noch mal zur
Kirmes und treffen Albert Ritter. „Wir Schausteller sind ein optimistisches
Völkchen“, sagt der Präsidenten des Deutschen Schaustellerbundes (DSB). „Jau,
wir Rot-Weissen eigentlich auch…“ kommentiert mein sichtlich geknickter Kumpel
Kurvenklaus. Wir entscheiden uns für noch `ne Runde. `Ne Runde Bier, `ne Runde
in der Geisterbahn und die nächste Runde „RWE-Kirmes“. Halligallischönefahrt.
Hauptsache, keiner schreit „Festhalten, jetzt geht`s rückwärts.“
Es verabschieden sich mit
den Worten „Schluss mit der Achterbahn & Zeit, dass sich was dreht beim
RWE-Karussell“